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STI Bremszüge
Der Austausch von Brems-Innenzügen ist auch mit den modernen Brems-/Schalthebeln kein grosses Problem. Wenn wie hier beschrieben nur die Innenzüge getauscht werden müssen, kann dies sogar geschehen, ohne das Lenkerband zu wechseln (die Aussenzüge sind ja am Lenker darunter verlegt).
An Werkzeug werden lediglich die üblichen Imbus-Schlüssel, eine einfache (Kombi-)Zange und eine Bowdenzug-Zange benötigt. Die Schneide der Bowdenzug-Zange ist rund geformt, so dass der geschnittene Innenzug nicht sofort aufdrillt (wie bei der Verwendung eines Saitenschneiders). Auch Aussenzüge können damit sauber abgelängt werden ohne an der Schnittstelle zusammengequetscht zu werden.
Die Materialliste ist ebenfalls denkbar kurz:
Die folgende Montageanleitung entstand anhand der 1999er Shimano Ultegra Gruppe, sollte aber zumindest auf alle vergleichbaren Shimano Gruppen anwendbar sein. Die Fotos sind von etwas ungleichmässiger Qualität, doch meine Fahrrad-Werkstatt ist nunmal kein Fotostudio, und ausserdem habe ich auch nur zwei Hände ... ;-)
Die Abbildungen auf den folgenden Seiten zeigen den Tausch des Innenzuges für die Hinterrad-Bremse. Der Zug der Vorderrad-Bremse wird gleichermassen ausgetauscht, lediglich der Bremshebel ist "spiegelverkehrt" gebaut.
Zuerst wird die Gummi-Abdeckung nach vorne aufgeklappt, um den darunter liegenden Sensor-Deckel zu entfernen. Wer "Flight-Deck" installiert hat, muss hier natürlich entsprechend die Schalterfassung lösen.
Sensor-Deckel
Dann kann der eigentliche Flachbandkabel-Anschluss aus der Verankerung genommen werden - somit ist das Kabel beweglicher um später den Bremshebel besser herausziehen zu können ohne das Kabel zu beschädigen.
Sensor-Anschluss
Unten am Bremshebel befindet sich mittig eine Schraube, welche die Hebelachse gegen seitliche Verschiebung sichert. Diese Halteschraube wird mit einem 2mm Imbus gelöst. Den Imbus-Schlüssel möglichst weit in die Schraube stecken (etwas Leichtlauf-Öl kann helfen) und nicht wundern, wenn's beim Herausschrauben etwas lauter knackt!
Bei der späteren Montage empfiehlt es sich, das Schraubgewinde zu reinigen und einzufetten. Oft wird die Halteschraube trocken eingeschraubt, was ich für kontraproduktiv halte.
Halteschraube (Foto bei der Montage)
Nun kann die eigentliche Achse, um die der Bremshebel bewegt wird, herausgeschoben werden. Hierfür nimmt man ein stumpfes Werkzeug, z. B. einen grösseren Imbus.
Hebel-Achse
Da die Achse nicht symmetrisch gebaut ist, sollte man sich merken, wie herum sie einzusetzen ist. Wird sie falsch herum eingeschoben, lässt sich die Halteschraube nicht wieder komplett einschrauben!
Der Bremshebel kann nun herausgenommen werden, so erhält man Zugriff auf den Innenzug. Der alte Zug wird herausgezogen und (wer hätte das gedacht) der neue auf selbem Weg wieder hineingeschoben.
Bremszug-Halter
Bevor der neue Innenzug eingeführt wird, sollte man die Aussenzüge ggfs. mit Leichtlauf-Öl reinigen. Der Innenzug kann dann mit Fett eingestrichen werden, bevor man ihn einzieht.
Achtung! Nicht jeder Aussenzug verträgt Öl und Fett, bitte die Herstellerempfehlungen beachten!
Aussenzug-Endhülsen
Bei Aussenzügen mit Endhülsen sollten diese natürlich wieder aufgesteckt werden, bevor es weiter geht ...
Sobald der Innenzug eingezogen ist, kann (sollte) die Hebelachse wieder montiert werden. Der Bremshebel wird also passend angesetzt, das Flachbandkabel des Sensors weitestgehend wie ursprünglich vorgefunden herausgezogen. Nun wird die Hebelachse wieder unter Beachtung der Ausrichtung eingeschoben. Die Halteschraube jedoch noch nicht einschrauben, vielleicht muss man ja noch einmal den Hebel herausnehmen ...
Sitzt die Achse, kann man einen ersten simplen Funktionstest durchführen: den Innenzug mit einer Hand am Ende herausziehen, mit der anderen Hand den Bremshebel betätigen. Wenn sich der Innenzug dabei erwartungsgemäss und leichtgängig bewegt, ist bis hierhin alles gut gelaufen.
Der Innenzug muss hinreichend vorgespannt werden, um eine gute Bremsleistung zu erzielen. Die Bremsschuhe sollten also in der Ruhestellung möglichst nahe an den Felgenflanken sein, ohne permanent daran zu schleifen. Wenn kein Helfer bereit steht, um die Bremsen an die Felge zu drücken, kann ein Seil die fehlende dritte Hand ersetzen.
"dritte" Hand
Da die Bremszüge in der Regel dann gewechselt werden, wenn man neue Bremsschuhe montiert hat, kann die Vorspann-Rändelschraube (gereinigt und gefettet) fast komplett eingedreht werden. Je weiter sie eingeschraubt wird, desto mehr Kraft-Reserve bleibt, wenn die Bremsschuhe mit der Zeit verschleissen!
Vorspann-Rändelschraube
Der Zug kann nun in die Klemmung eingeführt werden. Der Innenzug wird von Hand auf Spannung gehalten, wenn man die Klemmung anzieht (5mm Imbus).
Innenzug-Klemmung
Ist die Klemmung angezogen, wird die "dritte Hand" entfernt und die Bremse einem Funktionstest unterzogen. Schleift / blockiert die Bremse, oder ist der Abstand zur Felgenflanke zu gross, muss Schritt 5. von vorne wiederholt werden.
Schleift die Bremse jedoch nur einseitig, kann sie mit der dafür vorgesehenen Justage-Schraube (3mm Imbus) eingestellt werden.
Bremse seitlich justieren
Wenn alles passt, kann der überlange Innenzug hinter der Brems-Klemmung mit der Bowdenzug-Zange abgelängt werden. Hier scheiden sich wieder einmal die Meinungen: lieber etwas länger lassen um nachträglich neu spannen zu können, oder lieber kurz gehalten und optisch schöner?
Da ich noch nie einen einmal korrekt verlegten Innenzug nachspannen musste, plädiere ich selbstverständlich für die ästhetisch knappe Ablängung.
Innenzug ablängen
Um das Aufdrillen des Innenzuges zu vermeiden (und weil's besser aussieht), wird eine Endkappe aus Aluminium aufgeschoben und mit einer einfachen Zange festgequetscht.
Endkappe
Puristen mögen es bevorzugen, die Zugenden zu verlöten ... doch das geht selbst mir einen Schritt zu weit ;-)
Nachdem der neue Brems-Innenzug erfolgreich montiert ist, kann der Brems-/Schalthebel nun wieder komplett montiert werden. Dazu sind noch folgende Schritte durchzuführen:
Gute Verzögerung! :-)
© 2005 - 2010 Marcus Endberg