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Fahrrad-Reisen: SPEZI 2010

Anreise 2. Tag, 2010/04/22, Würzburg – Eberbach

Distanz: 131,3 km

Kalte Quelle

Nach Mitternacht wache ich auf, weil ich friere ... nicht nur ein bisschen, sondern mächtig -- im Zelt ist die Temperatur auf 5°C gefallen. Erstaunt stelle ich fest, dass das Aussenzelt von innen trocken ist; aber Moment: das ist nicht trocken, das Kondenswasser ist vereist! Ich schliesse die Lüftungsluken, ziehe lange Radhose und ein Trikot über, schlafe wieder ein.

Als ich nach kurzer Zeit erneut aufwache, ist's im Zelt nur noch 1°C, ich ziehe so viele Klamotten wie möglich an: aber selbst insgesamt zwei Paar Socken, zwei Langhosen, drei Trikots und die Windjacke bieten im Sommerschlafsack einen unzureichenden Schutz gegen die Kälte ... ich friere weiterhin und schlafe kaum noch.

Für solche Witterungsbedingungen ist die mitgenommene Ausrüstung einfach nicht geeignet. In den Alpen war's bei 3°C Aussentemperatur noch sehr komfortabel im Zelt, ich möchte gar nicht wissen, wie tief das Thermometer in dieser Nacht gefallen ist. Hätte mir vielleicht der Name des Campingplatzes "Kalte Quelle" eine Warnung sein sollen? ;-)

Gegen 08:00 Uhr hole ich die bestellten Brötchen, kratze das Eis vom Zelt und trockne dies in der aufgehenden Sonne. Währenddessen packe ich meine Sachen ein und frühstücke. Dass meine Platznachbarn aus Frankreich in ihrem Oldie-Anhänger auch gefroren haben, ist kein Trost für mich. Zu allem Überfluss reisse ich noch einen Kompressionsriemen vom Packbeutel des Zeltes ab, so dass dieses nun etwas unförmiger ist ... naja, die Packtaschen sind ja zum Glück groß genug um auch dieses bisschen mehr Volumen zu schlucken.

Abfahrt

Etwa 09:50 Uhr fahre ich los, fühle mich ziemlich groggy -- und verfahre mich gleich in Würzburg das erste Mal, weil ich nicht aufs GPS achte verpasse ich den Abzweig hinter der Ludwigsbrücke.

Aus der Stadt heraus macht der Ortsteil Höchberg seinem Namen alle Ehre, es geht direkt einige Meter hinauf, inclusive einer Steigung von gefühlten mehr als 15 Prozent (meine Beine versprühen nicht gerade Begeisterung). Im Wald zwischen Höchberg und Waldbüttelbrunn führt die Route von radweit.de über eine Piste mit grobem Schotter; ich hoffe, dass dies im weiteren Streckenverlauf die absolute Ausnahme bleibt, schliessliche stehen heute mittelgebirgige 120 km auf dem Programm.

Zum Main, am Main entlang

So langsam komme ich in Schwung und rolle durch leicht welliges Gelände weiter. Bei Waldbrunn sehe ich eines dieser völlig sinnfreien "Radfahrer absteigen" Schildchen, in einer mir bis dato unbekannten Kombination an einem "Vorfahrt gewähren"; ich muss unweigerlich an Bernds Seite denken und dokumentiere diese Radfahrerverarschung mit der Kamera.

In Helmstadt (Autsch! Wer denkt sich denn solche Ortsnamen aus?) verwirre ich die Bedienung in der Bäckerei ein wenig mit meiner "Ihre übelsten Dickmacher, die grössten Kalorienbomben bitte!" Bestellung -- sie nimmt's aber mit Humor und ich kann schliesslich jede kCal gebrauchen. Zwischen Helmstadt und Holzkirchhausen mache ich an einem kleinen Bächlein Rast und verdrücke das soeben erworbene Backwerk.

Frisch gestärkt gelange ich recht locker bis Urphar, wo ich auf den Main-Radweg wechsele, wohl wissend dass mir nach einigen flachen (und gezielt gemütlich gefahrenen) Kilometern am Main noch eine etwas grössere Steigung bevorsteht.

Während ich am Main entlang rolle und eher die Beine hochlege als Tempo zu machen reift in mir der Gedanke, dass ich keine zweite Nacht wie die vorige erleben möchte. Also wird im Zweifelsfalle am geplanten Etappenziel eine Pension oder ein Hotel gesucht.

Der Main-Radweg ist an sich ganz gut fahrbar, nur bei Hasloch führt er ein Stück lang über eine Feinschotterppiste ... insgesamt gelange ich aber recht locker bis Bürgstadt, wo ich wieder in einer Bäckerei "Kalorienbomben!" ordere; im Gespräch mit einem anderen Kunden erfahre ich die Wetterprognose und entschliesse mich, es in Eberbach erst gar nicht mit dem Campingplatz zu probieren.

Über'n Odenwald zum Neckar

Am Ortausgang Miltenberg biege ich ab, um die Steigung Richtung Eberbach anzugehen. Die Abzweigung von der Breitendieler Straße zum Weg parallel zur B469 und der Bahntrasse verpasse ich, finde aber einen anderen Weg dorthin.

Erst einmal geht es noch recht gemässigt bergauf, dann zieht die Steigung allmählich an ... bei Ernsttal gibt es dann (zumindest dem Gefühl nach, denn die untrainierten Beine legen wieder einmal Protest ein) das steilste Stück, doch kurz hinter Ernsttal ist auch schon der Scheitelpunkt der Odenwald-Kletterei erreicht. Die Abfahrt hinunter nach Eberbach entschädigt für jeden erkämpften Höhenmeter, es macht unheimlichen Spass mit der vollbepackten Liege hinunter zu rauschen. Das Rad zeigt trotz Geschwindigkeiten über 65 km/h ein wunderbar ruhiges und kontrolliertes Fahrverhalten.

Eberbach

In Eberbach frage ich im erstbesten Hotel das ich finde nach Zimmerpreis und der Möglichkeit, mein Rad -das ich nicht draussen stehen lassen möchte- einzuschliessen. Der Zimmerpreis liegt über meinem Budget und die Dame des Hauses erklärt, einen Raum um Fahrräder unterzubringen hätte man zwar, "aber nicht für so eines wo man so ..." (macht Verrenkungen, die nach liegend Radfahren aussehen sollen) -- na, auch egal. Immerhin gibt sie mir noch den Tip, es im "Grünen Baum" zu probieren.

Der Grüne Baum (Zwingerstraße, bei der Brücke) wäre auch OK gewesen, leider war das letzte Zimmer kurz vorher belegt. Aber "auf der andren Seite" (des Neckars) in der Linde sei bestimmt noch was frei.

Also wechsele auf die andere Neckarseite und fluche leicht, dass es zum Hotel "Zur Linde" bergauf geht. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt, es gibt freie und preiswerte Zimmer, mein Rad in der Garage einzuschliessen ist überhaupt kein Problem. Gegen 18:00 Uhr checke ich also ein und mache mich erst einmal frisch, bevor ich im Hotel-Restaurant zu Abend esse. Das Steak und die hausgemachten Pommes sind lecker, die Portion gut und der Preis mehr als in Ordnung.

Wieder auf dem Zimmer (für den Preis absolut OK, nur das Bad bräuchte mal eine Renovierung) nicke ich spontan ein, wache aber alsbald wieder auf. Ich sichere die Track-Daten vom GPS aufs Netbook, schreibe wie jeden Abend mein Reisetagebuch und hänge noch ein bisschen vor der Glotze ab ... mache aber sehr bald das Licht aus und schlafe unverzüglich und wohl verdient ein.

 

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Fotos

Autofahrer aussteigen! (bei Waldbrunn / WÜ12)
kleine Rast zwischen Helmstadt und Holzkirchhausen
kleine Rast zwischen Helmstadt und Holzkirchhausen
am Main
am Main
Miltenberg
 

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