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SPEZI 2010 /
Anreise 3. Tag
Distanz: 90,1 km
Das Frühstück fällt mit drei Brötchen wieder einmal nicht besonders üppig aus, aber mehr kann ich so kurz nach den Aufstehen einfach nicht essen. Nach dem Auschecken hole ich mein Rad aus der Garage, belade es und fahre gegen 09:30 Uhr ab ... bei knapp 5°C wird's auf der kurzen Abfahrt zum Neckarufer (L595) schon ziemlich frisch.
In Pleutersbach geht es direkt in die Steigung, meine Beine lassen erkennen, dass der Vortag doch eine ordentliche Belastung war, also kurbele ich mich in kleinen Gängen den südlichen Odenwald hinauf. Bald kommt die Sonne heraus und es wird rasch wärmer -- also tausche ich lange Hose und Trikot gegen kurze Varianten und begehe einen schweren Fehler: ich vergesse, vor allem an den Beinen, mich mit Sonnencreme zu schützen.
Zwischen Schönbrunn und Haag erreiche ich bei knapp 400 Meter ü.NN. den höchsten Punkt der Tagestour, für die Abfahrt nach Waldwimmersbach ziehe ich mir nochmal das Langtrokot über, das ich später aber komplett weglasse. Ab Waldwimmersbach geht es insgesamt nur leicht wellig weiter, vom Gefühl her wie nur noch bergab mit Rückenwind -- so angenehm leicht rolle ich hinunter ins Rheintal.
Ich weiche nun von der radweit.de Route ab, folge Rolfs Empfehlung über Meckesheim, Dielheim und Rauenberg nach St. Leon. Diese Strecke ist recht flach, hat am Freitag Vormittag wenig KFZ-Verkehr und ist sehr angenehm und zügig zu fahren. Vielen Dank für diesen Tip!
Am Ortsausgang St. Leon steht am Kreisvwerkehrt ein "Verbot für Fahrräder" (Z.254) -- da aber die vorgeschriebene Umleitung nicht zu erkennen ist (weil schlichtweg nicht vorhanden?) denk ich mir "ihr mich auch" und fahre trotzdem über die K3536 nach Kirrlach. Richtig absurd ist, dass in Gegenrichtung neben der Kreisstrasse ein (natürlich benutzungspflichtiger) Rad_weg vorhanden ist, der in meine Richtung nicht zur Benutzung freigeben ist. Da hat wohl mal wieder ein Verkehrtplaner zu viele Abgase geschnüffelt, bevor er diese Beschilderung angeordnet hat ...
Allmählich kommt mir die Landschaft vertraut vor ... die flache, landwirtschaftlich geprägte Oberrheinebene, mit ihren Pappelreihen -- kein Wunder, hatte ich doch mal auf der anderen Rheinseite gelebt. Zwischen Graben-Neudorf und Dettenheim sehe ich zwei Milane kreisen -- ob dies ein Vorzeichen ist? :-)
In Leopoldshafen geht's an den Rhein, wo ich auf die Fähre warte um mit dieser überzusetzen.
Angelandet fahre ich um die erste Kurve und erkenne sofort -nach 30 Jahren- die Plätze wieder, wo wir als Kinder gespielt haben, auf dem Eis gelaufen sind ... an manchen Stellen hat sich kaum etwas verändert.
In Leimersheim sieht die Grundschule praktisch unverändert aus, seit ich dort hin ging wurde an den (damals modernen) Gebäuden praktisch nichts gemacht. Auch das Haus in dem wir wohnten ist bis auf die neue Haustüre unverändert, einfach nur älter geworden. Auf dem Weg nach Neupotz mache ich noch einen Abstecher zum Altrhein, dort stehen ein paar Gebäude, die es früher nicht gab; sonst hat sich da nicht viel getan.
Am bekannten Neupotzer Sportplatz biege ich ab und erreiche gegen 15:00 Uhr den Schmiedhof / Pension Neupotz. Nach einer Dusche esse ich auf dem Zimmer den letzten Kuchen von unterwegs und nicke ein ... der Schlafmangel der vorletzten Nacht steckt mir noch immer in den Knochen.
Gegen 18:30 Uhr gehe ich aus dem Haus, lasse mir noch den Zugang zur Garage zeigen, wo mein Fahrrad die nächsten Nächte sicher untergebracht ist. Zu Fuss geht's ins Dorf auf der Suche nach einem Abendessen.
Im Gasthaus "Pfalz" wird im Nebenraum Fussball geschaut und da Kaiserslautern verliert heftig geschimpft -- was beim Pälzer Dialekt aber trotzdem nett anzuhören ist. Das essen ist deftig und sättigend, gut gefüllt geht's zurück in die Pension und aufs Zimmer.
Ich lege die Klamotten für den ersten Messetag bereit, schreibe Tagebuch und hänge noch ein wenig vor der Glotzkiste ab. Mir fällt auf, dass ich in Gesicht und besonders an den Beinen ganz schön rot bin -- ein Sonnenbrand, der nach einer extra-Portion Creme verlangt. Tja, da habe ich morgens nicht nur das Eincremen vergessen, sondern auch dass auf dem Liegerad die Schienenbeine direkt der Sonne ausgesetzt sind ... aber zum Glück ist es nur ein leichter Sonnenbrand. Gegen Mitternacht lösche ich das Licht und schlafe umgehend ein.
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